Genius and Love

Die Bilder des Hamburger Künstlers Martin Scholten entstehen in einem seriellen Prozess – rhythmische Strukturen und farbenreiche Harmonie bilden die Grundmuster seiner oftmals über zwei Meter großen Acrylgemälde. Wie Schlangen mäandern verschiedenfarbige breite Linien vor blass violetten oder Aluminium schimmernden Fonds über die Leinwände. Die sich mehrfach kreuzenden, aufeinander zu- und voneinander weglaufenden Formen sind die Spuren einer dynamischen malerischen Auseinandersetzung.

Scholtens Maltechnik ist dabei bestechend unmittelbar: Die Acrylfarbe kommt direkt aus der umgedrehten Farbflasche auf die Leinwand. Die Breite der Farblinie ist allein vom Umfang der Flaschenöffnung abhängig. Die Farben werden selten gemischt oder ausgearbeitet, ein Pinsel kommt fast nie zum Einsatz.

Die Unmittelbarkeit des Materials erinnert an die gegen jede bewusste Einflussnahme der Maler gewandte Idee des Action Paintings. Scholtens Malerei ist jedoch keine gestische, spontane Aktion, sondern vielmehr Ergebnis einer lyrischen Meditation über Farb- und Formharmonien. Seine Linienlabyrinthe entstehen überlegt und konzentriert. Dem langsamen Malprozess steht der visuelle Eindruck von Schnelligkeit und Dynamik gegenüber – eine Spannung aus dosierter Bewegung und malerischer Leichtigkeit.

Eva Hausdorf